Aktuelles

Symposium

Looking Both Ways. Bildpolitiken zeitgenössischer Künstlerinnen aus dem Nahen Osten und in der Diaspora

 

Ein Symposium der AG „Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration“

im Marta Herford, 8. Juli 2017

 

 

Zwischen Zonen. Künstlerinnen aus dem arabischen-persischen Raum / Suspended Territories. Artist from the Middle East and North Africa – so lautet der Titel einer Ausstellung im Museum Marta Herford (24. Juni - 25. September 2017). Die AG „Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration“ ist eingeladen, in diesem Rahmen eine Tagung zu organisieren. Unsere eintägige Veranstaltung nimmt die im Titel postulierte intermediäre Perspektive von Künstlerinnen aus dem Nahen Osten auf, indem wir Orte und Positionen, die spezifischen politischen und gesellschaftlichen Produktionskontexte sowie die damit verbundenen künstlerischen Formen zum Ausgangspunkt unserer Betrachtungen machen. Wir gehen davon aus, dass sich Erfahrungen und Strategien von Kulturproduzentinnen aus dem Nahen Osten, die sich mit Politiken, historischen Umbrüchen und Gesellschaft befassen, je nach Kontexten und Möglichkeiten unterscheiden. So fragen wir einerseits nach Handlungsoptionen und ästhetischen Konzepten derjenigen, die vornehmlich in ihren Geburts- oder Herkunftsländern agieren. Fragen zur ‚Innenperspektive‘ sind hier relevant, um Künstlerinnen und ihre Arbeiten in den Mittelpunkt zu rücken, die im eigenen Land nach Möglichkeiten der künstlerischen und politischen Teilhabe streben, und somit aktiv an der Auseinandersetzung mit Konfliktzonen und der Konstruktion von umstrittenen Aktionsräumen beteiligt sind. Andererseits rücken Fragen nach der ‚Außenperspektive‘, die oft im Sinne eines Looking Both Ways durch ihre doppelte Positionierung und Kenntnis bestimmt ist, in den Blick. Hier ist die Verschränkung von künstlerischer Praxis und Mobilitäts-, Migrations- und Exilerfahrungen zentral: Wie wirkt sich eine neu erlangte Unabhängigkeit und künstlerische Freiheit auf das Arbeiten aus? Möglichkeiten der Intervention von Künstlerinnen sind hier zu diskutieren, die ihre Heimat aus persönlichen oder politischen Gründen verlassen mussten. Interessant erscheint uns hier eine historische Betrachtung: welcher Art gestalten sich beispielsweise in Zeiten globaler mediascapes Formen möglicher Kooperationen? Wie arbeiten Innen- und Außenstehende zusammen?

 

An diese künstlerischen Innen- und Außenperspektiven schließen sich grundlegende Überlegungen zur Ästhetik des Politischen oder zur Politisierung des Ästhetischen an. Inwieweit kommen künstlerische Traditionen, Nationalismen, aber auch „westlich“ oder „östlich“ verstandene Prägungen zum Einsatz? Wie vertragen sich ästhetische Konzepte und politische Impulse mit Erfahrungen in Konfliktzonen im eigenen Land oder im Exil?

 

Auch die Zuschreibungen an eine als „arabisch“ oder „islamisch“ verstandene Kunst, welche vielfach in westlichen Kontexten produziert und zirkuliert wird, sollen auf den Prüfstand gestellt werden. Inwieweit prägen Konzepte des Politischen und des Kulturellen, die noch immer von Kunst aus dem Nahen Osten oder dem Vorderen Orient erwartet werden, auch deren Wahrnehmung?

 

Damit stellt sich das Symposium kritisch seinem eigenen Thema, und hinterfragt theoretische Konzepte und Zuschreibungen aus der eigenen westlich-orientierten kunsthistorischen Perspektive.

 

Konzeption: Cathrine Bublatzky, Burcu Dogramaci und Kerstin Pinther für die AG „Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration“

 

 

Link zum > Programm (Herford, 8.7.2017)